Zehn-Sterne-Hotel

Sonnenkitzel auf der Nas'
als Weckruf solitär,
recken, strecken wie ein Bass
im Riesenbett für längs und quer:
Ein Luxusstern hier, bitte sehr.

Sauerstoff und frisch' Natur

nur einen Türschlag weit.
Musik stets live und only pur
mit Vogelstimmenherrlichkeit:
Gibt's Sterne gleich zu zweit.

Im Anschluss dann, vor'm Duschen nass,

die erste Wellness, ohne Scherz!
Mit Barfußlaufen durch das Gras,
massiert die Sohlen, so das Herz:
Folgt vierter Stern zur Terz.

Der Rücken ist nun dran, herje,
die Schaukel hängt bereit,
was tut der immer, ach, so weh,
jetzt schwingt der Körper eng und weit:
Fünf Sterne auf die Seit'.

Das Frühstück gibt's in der Idyll',
Terrasse unter'm Apfelbaum,
daneben Rosenblütenfüll',
hier sitzt's sich wie in einem Traum:
Sechs Sterne! Hoch den Daum'n!

Mit Mirabellen und Tomaten,
Zucchinis, Kräutern, später Nüssen,
gibt's gratis eig'ne Biosorten,
die jeden Gaumen zärtlich küssen:
Stern Sieben ist zu hissen!

Für Geigerin ist's oftmals schwer,
Quartier für'n Urlaub ordern.
Der Töne Krach verprellt zu sehr,
doch hier kann Violine lodern:
Acht Sterne sind zu fordern!

Und wiederum, wenn aus das Lied,
das Instrument entlasten,
es Urlauberin zum Fahrrad zieht,
um nicht nur geistig nicht zu rasten:
Neun Sterne sind im Kasten!

Am Ende, wenn sie froh und matt,
ihr Woch'werk schaut zufrieden,
die Seele ruhig, der Körper satt,
so wär' sie doch noch gern geblieben:
Zehn Sterne für die Lieben,

die einluden zu solch' Genies
in ihren kleinen Bungala,
zu wohnen ganz ohne Verdries,
wie einst die Kön'gin von Saba:
Im Zehn-Sterne-Paradies.

Carmen Hoyer, 21.07.2020