Reales Paradies

Morgens früh, die Sonne lacht
und blinzelt durch ein Blätterdach,
erweckt ein Glitzern auf dem Glas,
das spiegelt sich im Schlafgemach
und kitzelt auf der Nas‘.

Wach auf, steh auf, es ist schon hell:
Wo sind die Puschen, wo der Hund?
Die Katze maunzt schon vor der Tür,
doch Blütenwäsche leuchtet bunt
und hält gefang’n den Has‘.

Mit einem Ruck, so wird es geh’n,
der Kuschelzone zu entkommen.
Nur Mut und Schwung und Aufersteh’n!
Herje, noch ganz benommen
ich’s Handy nahm und las.

Die Tür weit auf, die Katz‘ hinaus,
den Hund geschnappt, zur Küch‘ getappt,
den Kühlschrank freudig inspiziert,
die Zipfel von der Wurst gekappt
für’s richt’ge Futtermaß.

Jetzt Wasser für den Tee gebrüht,
das Brötchen in den Ofenschlund,
Teller, Tasse und Besteck,
Butter, Konfitür‘ Holund‘
dazu ein Ziegenkas‘.

Der Blick zum Garten durch das Haus,
da seh‘ ich’s schon: Das Paradies!
Schon wächst die Vorfreud‘ ganz famos
auf‘s Frühstück in der grünen Wies‘,
die noch ein bisschen nass.

Der Tisch gedeckt mit Webekunst
und allem, was die Sinn‘ begehr’n,
inmitten Rosenstrauch und Busch
sich Nussbaumringe jähr’n,
im weichen Teppichgras.

Nun ist’s soweit: Der Brötchenduft
entfleucht dem Ofen und Teein,
gemixt mit Kirscharoma und bekanntem
Apfel, krönt den Garten Eden
nebst Hund und Katz‘ und Spaß.


Doch plötzlich, was zum Teufel noch,
schleicht sich in dies‘ Gemenge?
Es kriecht herbei wie eine Schlange:
Schon riecht’s vom Nachbarfeld recht strenge:
Ich atme stinkend Gas.

Da dreht auf einmal sich der Wind,
die Schwaden schwinden fort.
Die Elli schleckt am Tellerrand,
mein Strolch sitzt lieb und ruhig am Ort
und alles ist zupass.

 
Carmen Hoyer, 18.06.2020